Vier Jahre Helferkreis Karlsfeld - ein Rückblick

Vier Jahre Helferkreis Karlsfeld - ein Rückblick

Gemeinsam wird ein gespendetes Fahrrad auf Vordermann gebracht.

Als im November 2015 die ersten Asylbewerber nach Karlsfeld kamen, mussten viele erst mit dem Nötigsten versorgt werden. In dem Lagerraum, den ARTDECO dem Helferkreis seither zur Verfügung stellt, werden regelmäßig Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs gesammelt und ausgegeben. Es gründete sich eine eigene Fahrradgruppe, die bis heute gespendete Räder überprüft und den Geflüchteten Verkehrs- und Fahrrad-Unterricht gibt.

 

Unzählige Beratungsgespräche und konkrete Hilfeleistungen, wie z.B. Übersetzungen, Begleitung bei Arztbesuchen oder Behördengängen waren in den ersten Jahren notwendig. Diese individuelle Betreuung wird auch jetzt noch nahezu täglich von den engagierten Lotsinnen und Lotsen im Helferkreis geleistet.

 

Schon von Anfang an finden fast täglich Deutschkurse statt, die von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Deutsch organisiert und gehalten werden, denn uns allen ist bewusst, dass ausreichende Deutschkenntnisse unabdingbar sind. Weitere Schulungen, z.B. über unsere Verkehrsregeln oder die Anforderungen an eine Integration in den Arbeitsmarkt helfen den Neubürgern, sich bei uns zurechtzufinden. In einer großen Aktion wurden mit den Geflüchteten Lebensläufe erstellt.

 

Aber auch die interne Weiterbildung kommt nicht zu kurz. Gemeinsam mit der Georg-von-Vollmar-Akademie e.V. organisierte der Helferkreis Informationsveranstaltungen für Helfer und interessierte Bürger.

 

Durch gemeinsame Unternehmungen und Veranstaltungen lernen die Flüchtlinge unser Land kennen und werden mit dem Leben in Deutschland vertraut gemacht. Ein wichtiger Termin ist jedes Jahr die Teilnahme an der Aktion „Sauberes Karlsfeld".

 

Einen bedeutenden Beitrag zur Integration hat der Sport. Der TSV Eintracht Karlsfeld beteiligt sich bis heute mit Schwimmkursen, durch die Integration von Geflüchteten im Rahmen seines Kursangebotes oder indem er ihnen Fußballtraining ermöglicht. Es gibt eine eigene Fußballmannschaft, die schon öfter und teilweise erfolgreich an Fußballturnieren für Geflüchtete wie z.B. dem „FFB kickt bunt Cup“ teilgenommen hat.

 

Im November 2015 wurde die Traglufthalle bezogen, im Herbst 2016 wurde sie geschlossen. Im Februar 2016 sind in der Parzivalstraße vier Häuser in Holzständerbauweise fertiggestellt und bezogen worden. Zum gemeinsamen Kennenlernen wurde im Oktober 2016 in dieser Unterkunft für alle Karlsfelder ein Herbstfest mit Speisen aus den Herkunftsländern der Geflüchteten gefeiert. Es war ein schönes Fest, Flüchtlinge und Helfer freuten sich über das große Interesse der Besucher und vor allem über die Begeisterung der Kinder auf der Hüpfburg, beim Drachensteigen und Seifenblasen zaubern.

 

Die erste Zeit war geprägt von der Unterstützung der Geflüchteten beim Ankommen in unserer Gesellschaft. Beratungsgespräche und konkrete Hilfeleistungen, wie z.B. Übersetzungen, Begleitung bei Arztbesuchen oder Behördengängen gehörten zu den Hauptaufgaben des Helferkreises.

 

Später wurden Schule und Ausbildung immer wichtiger. Fast täglich gibt es Hausaufgabenhilfe für die Schulkinder. Eine besondere Herausforderung für die Helfer ist die Unterstützung der Berufsschüler, da diese wegen der unterschiedlichen Ausbildungsinhalte oft individuellen Unterricht brauchen. Häufig wird konkretes Fachwissen benötigt, mancher Helfer ist damit überfordert. Umso größer ist die Freude über erste Erfolge, denn mittlerweile haben einige Geflüchtete die Berufsschule teilweise sogar mit Auszeichnung abgeschlossen.

 

Sehr erfolgreich waren die Online-Deutschkurse mit den 25 „Chromebooks“, die dem Helferkreis von NetHope, der Wohlfahrtsorganisation von Google, zur Verfügung gestellt wurden. Die Rechner wurden vom Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes Dachau, Herrn Paul Polyfka, vermittelt. Die Augsburger Firma CryptoMagic und deren Karlsfelder Mitarbeiter Werner Plumeier sorgten dafür, dass die Computer problemlos über das Internet einsetzbar waren.

 

Im April 2017 wurde die zweite Flüchtlingsunterkunft in der Hochstraße eröffnet. Auch wenn einige der neuen Bewohner von den Helfern aus ihren ehemaligen Wohnorten im Landkreis weiter betreut werden, kamen für den Helferkreis viele neue Aufgaben hinzu. Im Augenblick leben mehr als 300 Geflüchtete in Karlsfeld.

 

Damit Bewohner, Nachbarn und Helfer sich kennenlernen konnten, organisierte der Helferkreis zur Eröffnung einen Nachmittag der offenen Tür, der großen Zuspruch fand.

 

Da es schwierig ist, die vielen neuen Bewohner in der Hochstraße individuell zu betreuen, wurde „Tee & Zeit“ gegründet. Jeden Samstag Vormittag treffen sich Mitglieder des Helferkreises mit Geflüchteten in der Hochstraße, um bei einer Tasse Tee aktuelle Themen und Probleme zu besprechen.

 

Seit 2018 kann der Helferkreis auch Computerkurse anbieten: In Kooperation mit dem Unternehmen STMicroelectronics lernten die Geflüchteten in insgesamt zehn Unterrichtseinheiten die Grundlagen der Textverarbeitung, Tabellen zu erstellen, das Internet sinnvoll zu nutzen und E-Mails zu schreiben und zu versenden. Sie erfuhren in acht Lektionen des Seminars zudem, wie wichtig Regeln für die Sicherheit im Netz sind. Das Karlsfelder Helferkreis-Team erweiterte den Kurs noch um zwei Lektionen: um ein Tipptraining, um das Schreiben mit zehn Fingern kennenzulernen und um einen Tag für das Schreiben von Bewerbungen und eines tabellarischen Lebenslaufs. Abschließend, am letzten Tag des Kurses, haben die Schüler einen kleinen Online-Test absolviert, den alle erfolgreich bestanden haben.

 

Manchmal kommt der Helferkreis aber auch an seine Grenzen bei der Aufgabe, die Geflüchteten zu integrieren. Karlsfeld hat sowohl absolut als auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge im Landkreis Dachau aufgenommen. Die Anzahl der Helfer geht zurück, für die verbleibenden steigt die psychische und physische Belastung. Es gibt viele Rückschläge, die Gesetzeslage wird von einigen Helfern als sehr problematisch und nicht zielführend empfunden. Einige der Geflüchteten sind traumatisiert, die Helfer sind oft emotional und fachlich überfordert. Aus diesem Grund bemüht sich der Helferkreis schon lange um einen Asylstreetworker.

 

Umso schöner ist es, wenn der Helferkreis Unterstützung von anderen Organisationen erfährt oder selbst aktiv am Gemeindeleben teilnimmt.

 

Schon seit zwei Jahren packen die Schüler der Fachoberschule Karlsfeld in der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ Weihnachtsgeschenke für die Kinder der Flüchtlingsunterkünfte. Die liebevoll gestaltete Übergabe der Geschenke findet in der Aula der Schule statt.

 

Eine Riesenfreude machten Kindergartenkinder des Kinderhaus „Wiesenkinder“ in der Allacher Straße anderen Kindern in den Flüchtlingsunterkünften Parzivalstraße und Hochstraße. Sie brachten Geschenke zu Ostern, die ihre Eltern gespendet hatten. Rund 100 Päckchen mit Büchern, Malsachen, Filzstiften, Radiergummis, Buntstiften und einem süßen Schmankerl fanden begeisterte Abnehmer.

 

Der Helferkreis war an der Aktion "Global Peace Path", Weltfriedenspfad, beteiligt. Während der beiden Workshops in Frühjahr fertigten Studierende gemeinsam mit Geflüchteten aus Karlsfeld Gedichte zum Thema Frieden an. Besonders für die Geflüchteten war es ein beglückendes Ereignis, mit anderen jungen Leuten in Kontakt zu kommen und gemeinsam etwas zu schaffen.
Mit einem heiteren, friedlichen und bunten Fest wurde der Friedenspfad am Karlsfelder See im Sommer 2018 eingeweiht.

 

Am Internationalen Karlsfelder Kulturfestival KOSMOS nahm der Helferkreis im Juli 2019 teil. Schüler und Geflüchtete lasen auf der Bühne Gedichte vom Weltfriedenspfad.

 

Der Helferkreis Karlsfeld konnte in den vergangenen vier Jahren einiges bewirken. Auch wenn wir von Rückschlägen und Enttäuschungen nicht verschont wurden, konnte doch vielen Menschen bei der Integration geholfen werden, einige haben Arbeit gefunden, andere erfolgreich eine Berufsausbildung absolviert oder einen Ausbildungsplatz gefunden. Die Fortschritte der Kinder bereiten immer wieder viel Freude. Es wird auch in Zukunft noch einiges zu tun geben und wir würden uns über weitere Unterstützer sehr freuen.

 

 

Helferkreis Karlsfeld, c/o Gemeinde Karlsfeld, Gartenstraße 7, 85757 Karlsfeld

www.hk-karlsfeld.de

 

 

Foto: Helferkreis Karlsfeld

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