Aktueller Zwischenstand zum Management der verkehrlichen Auswirkungen
Die Regierung von Oberbayern hat am 22. April 2024 den Planfeststellungsbeschluss zur Sanierung des Tunnels Allach veröffentlicht. Damit besteht für diese Baumaßnahme nach Ablauf der Einspruchsfrist nun Baurecht. Jetzt ist die Autobahn Südbayern GmbH in die Ausführungs- und Umsetzungsplanung eingestiegen, um die Sanierungsarbeiten ausschreiben zu können.
Geplant ist nach wie vor im Verlauf des kommenden Jahres mit den Arbeiten zur Bauphase 1 (Verlegung der Kabeltrassen auf das Tunneldach) zu beginnen. Während dieser Arbeiten wird es nur vorübergehend am und im Tunnel zu Fahrstreifenverengungen, aber zu keiner wesentlichen Kapazitätseinschränkung kommen.
Entscheidender ist die Bauphase 2 ab dem Jahr 2030, wenn während der Sanierung wechselseitig nur eine Röhre zur Verfügung steht und je Fahrtrichtung nur noch zwei verengte Fahrstreifen befahren werden können.
Der Tunnel Allach auf der A99 gehört mit gut 133.000 Kraftfahrzeugbewegungen in 24 Stunden zu den mit am stärksten belasteten Autobahnabschnitten in Bayern. Bereits jetzt kommt es nahezu täglich zu Staus vor dem Tunnel Allach mit entsprechenden Wartezeiten.
Die aktuelle Verkehrsuntersuchung mit neuen Zahlen verschiedener automatisierter Verkehrszählanlagen in und um München, der beiden beauftragten Fachbüros sieht eine durchschnittliche Verlängerung des jetzt schon morgens stärker Richtung Osten und abends Richtung Westen vorhandenen Staus auf der A99 auf 5 – 10 Kilometer mit einer mittleren Wartezeit von 20 – 50 zusätzlichen Minuten. Die Staubildung wird sich von morgens 5 Uhr bis abends 21 Uhr mit unterschiedlicher Länge hinziehen.
Dabei ist aber keine Straßenglätte, kein Unfall, keine ausgelöste Höhenkontrolle und keine sonstige Beeinträchtigung der Durchlässigkeit des Tunnels eingerechnet.
Somit bleibt klar, dass sich voraussichtlich rechnerisch 27.500 Fahrten einen neuen Weg am Tunnel Allach vorbei über die B471, den Mittleren Ring, der B304 und vielen weiteren Straßen suchen werden.
Niemand möchte eine unkontrollierte Verkehrsbewegung durch Mooswege, Wohnstraßen und anderen Schleichwegen, deshalb hat sich eine Projektgruppe von Experten verschiedener Behörden, Einrichtungen, Organisationen und Firmen ab Mai 2024 zusammengefunden, die mit fachplanerischer Unterstützung zweier Verkehrsplanungsbüros versucht, die Auswirkungen der Baustelle auf den Verkehr rund um den Tunnel Allach auf den täglichen Pendlerverkehr und den besonderen Lagen des Ferien- und Schwerlastverkehrs zu analysieren, zu bewerten und nach Möglichkeiten zu suchen, diese bestmöglich zu managen.
Zur Vermeidung von Wiederholungen zum Planfeststellungsbeschluss, dessen Bewertung und Prüfung, zur Notwendigkeit und zum baulichen sowie zeitlichen Umfang der geplanten Sanierungsarbeiten darf ich Sie auf die Beiträge im Journal K vom 04.11.2022 und vom 22.06.2024 verweisen bzw. ergänzend und alternativ auf die Projektseite der Autobahn Südbayern GmbH unter www.tunnel-allach.de verweisen.
Uns wird diese gut acht Jahre andauernde Baustelle ab 2027 und ganz besonders ab 2030 erheblich in unserer Mobilität betreffen. Den Buslinien droht eine andauernde, staubedingte Fahrtverzögerung und eine unplanbare Pünktlichkeit, allen Kraftfahrzeugnutzern und Anwohnern stehen erhebliche zusätzliche Staus auf den Straßen in und um Karlsfeld durch Schleich- und Ausweichverkehre der meist ortskundigen Pendler bevor.
Die Projektgruppe „Management der verkehrlichen Auswirkungen“ hat nach mehreren Treffen und Beratungen einen Abschlussbericht vorgelegt, welcher nun allen beteiligten und betroffenen Behörden, Organisationen und Gebietskörperschaften vorgelegt wurde, mit der Bitte entsprechende Maßnahmen einzuleiten und diese bestmöglich umzusetzen. Wir hoffen, diese sehr fruchtbare und gute Zusammenarbeit der Mitglieder dieses interdisziplinären Teams bis zur Baumaßnahme weiter fortsetzen zu können.
Auf ein paar für uns Karlsfelder relevante Ergebnisse möchte ich kurz eingehen: Es gibt keine ausreichend verkehrlich belastbaren Umfahrungsstrecken des Tunnel Allach im Berufsverkehr, sodass eine pauschale Umleitung nicht möglich ist. Lediglich die B471, der Mittlere Ring und einige kleinere Tangentialverbindungen im Norden der Landeshauptstadt können einen Teil des Ausweichverkehrs aufnehmen. Leider sind für viele spezielle Maßnahmen Änderungen an der StVO erforderlich, die wir bis zum Baubeginn durch den Bundesgesetzgeber nicht umgesetzt bekommen werden (z.B. spezielle Vorrangspuren auf Autobahnen) oder wie z.B. in Karlsfeld reicht der Platz nicht für solche Maßnahmen. Die größeren, aber auch kleineren Arbeitgeber sind aufgefordert, ein betriebliches Mobilitätsmanagement einzurichten und zu prüfen, ob Schichtzeiten, Belieferungen, Homeoffice, Gleitzeit und andere eine Kraftfahrzeugfahrt vermeidende Alternativen angeboten werden können, um die Hauptbelastungszeit im Berufsverkehr morgens und abends zu entzerren. Wichtig bleibt aber auch, dass der individuelle Arbeitnehmer und der Selbständige selbst die Wahl seines Verkehrsmittels trifft. Hier appellieren wir doch zu überlegen, ob zum einen Fahrten wirklich durch den Tunnel Allach erforderlich sind oder mit anderen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden können.
Die Mitglieder der Projektgruppe haben neben allgemeinen Empfehlungen auch eine ganze Reihe von Maßnahmenpaketen angeregt.
Die planfeststellende Behörde der Regierung von Oberbayern betreffend der neuen Abfahrtsrampe an der Autobahnanschlussstelle Dachau/Fürstenfeldbruck von München in Richtung Dachau auf die B471 hat mit Pressemitteilung vom 12.11.2024 das Baurecht nach einer langen und komplizierten Abstimmung wegen des anliegenden FFH-Gebietes festgestellt. Die Anschlussstelle wird damit kreuzungs- und ampelfrei, was entsprechende Rückstauungen auf der Ausweichroute B471 vermindert. Somit kann zeitnah mit der Detailplanung und der Ausführung der Bauarbeiten begonnen werden, sofern seitens der Bundesregierung entsprechende finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Somit können wir damit rechnen, dass die Bauarbeiten zu Beginn der Hauptphase der Sanierungsarbeiten im Tunnel abgeschlossen werden können. Dazu sind Tempobeschränkungen und Überholverbote geplant, um den Ausweichverkehr möglichst flüssig zu halten.
Der Planfeststellungsbeschluss mit großem Umbau der für den Ausweichverkehr ebenfalls dringend erforderlichen Anschlussstelle A92/B471 in Oberschleißheim zu einem kreuzungsfreien Ausbau als „Vollkleebatt“ ist hingegen noch in der Bearbeitung bei der Regierung von Oberbayern. Hier wird langsam die Zeit knapp, wenn der Ausbau noch vor 2030 fertiggestellt werden soll. Hier sehe ich den großen Knackpunkt all unserer Bemühungen, sollte diese Umbaumaßnahme nicht zur Bauzeit der Tunnelsanierung zur Verfügung stehen.
Die Bewertung der aktuellen Situation aus Sicht der Gemeinde Karlsfeld für die Zeit der Baumaßnahme fällt zunehmend zurückhaltend aus, da durch die Verzögerungen in wichtigen anderen Verkehrsprojekten, der chronisch unzuverlässige S-Bahnbetrieb und einer sehr begrenzten Umfahrungsmöglichkeit des Tunnels Allachs nur wenige Optionen verbleiben, auf die wir setzen können.
Der Landkreis Dachau aber auch die Gemeinde Karlsfeld werden nun in eigener Zuständigkeit Notfallmaßnahmen wie die Anliegergemeinden im Inntal schon beschlossen haben, prüfen und im Störungsfall auch einsetzen. Die Gemeinde Karlsfeld muss sich der Verkehrswege im westlichen Moos annehmen und verhindern, dass dort ein stetiger Schleichverkehr mit Stauungen entsteht.
Einige Störfälle im Tunnel Allach haben bereits gezeigt, dass dort auf den dafür überhaupt nicht ausgebauten Straßen und im Bereich westlich der Bahn Verkehrschaos ähnliche Belastungen nicht weit entfernt sind. Entsprechende Fotos und Beobachtungen liegen vor. Hier gilt es die Mobilität unserer Bürger im Ort zu schützen, die Erreichbarkeit für Notdienste sicherzustellen und den Durchfahrtsverkehr auf den dafür vorgesehenen Strecken zu bündeln.
Für die Buslinien entlang der B304 sind Vorrangschaltungen einzurichten, für die wir aber in Karlsfeld moderne Ampelsteuergeräte benötigen. Hier versucht die Gemeinde mit ihrem Tiefbau den Personalmangel beim Straßenbaulastträger etwas auszugleichen, in dem wir die Überplanung der Münchner Straße als Sonderbaulast gegen Kostenerstattung tragen. Ansonsten würden wir bis zum Baubeginn nicht eine Änderung mehr am baulichen Zustand unserer Bundesstraße mehr erreichen.
Eine auf Mobilgeräten zur Verfügung stehende Echtzeitanzeige von Stau und Zeitverzögerung am Tunnel bleibt ebenso ein zentraler Baustein für alle Pendler, wie ein zuverlässiges und zeitlich rasch wirkendes Störfallmanagement bei Unfällen, Pannen, Straßenglätte und ähnlichem.
Die Autobahn Südbayern GmbH plant noch zwischen Augsburg und München auf der A8 eine Streckenbeeinflussungsanlage mit elektronischen Wechselschildern aufzubauen, welche uns dann ab 2030 bei der Verkehrslenkung helfen kann. Auch das steht noch nicht gesichert fest.
Aufgrund der zu erwartenden Stauungen sind Durchfahrtsverbote für Lkw ebenso eine Option wie eine Pförtnerampel am Ortsbeginn, um eine künstliche Lücke in Karlsfeld in den Stau einzufügen, damit der Ortsverkehr nicht zum Erliegen kommt. Diese Maßnahme ist allerdings sehr kostenintensiv und es ist völlig unklar, wer diese finanzieren würde.
Leider mussten wir einige der entwickelten Ideen zur verkehrlichen Entlastung Karlsfelds für die Ausweichverkehre während der Sanierung des Tunnels Allach aufgegeben, da diese nicht rechtzeitig fertiggestellt werden können. Der S-Bahn-Nordring, der in Karlsfeld beginnend über das FIZ der BMW zum Euroindustriepark auf den Gütergleisen des Nordringes geführt werden soll, wurde seitens der planenden Deutschen Bahn (DB) auf frühestens 2035 verschoben. Damit bricht ein wichtiger Ast zum Umstieg auf den Münchner Verkehrsverbund (MVV) leider ebenso weg wie die zweite Stammstrecke, welche ja schon länger feststehend ebenfalls frühestens 2035 fertiggestellt werden kann.
Um unsere gemeinsame Mobilität in Karlsfeld ab 2030 weiter erhalten zu können, sind deshalb alle auch noch so kleinen Teilmaßnahmen zu greifen, um einen Verkehrskollaps rund um den Tunnel zu vermeiden. Wir haben laut und deutlich die Forderung nach einer verbesserten Zuverlässigkeit der Münchner S-Bahn, um möglichst viele Pendler zum Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu animieren.
Allen, die auf diesen am oder im Tunnel Allach vorbeiführenden Pendelweg zur Arbeitsstätte fahren, möchte ich schon jetzt anregen, sich für die langen und sicher Zeit und viele Nerven kostenden Pendelweg einen Plan B und auch einen Plan C zuzulegen. Wir arbeiten weiter daran, auch wenn die Vorzeichen mehr als schwierig sind.
Bernd Wanka
Verkehrsreferent des Gemeinderates
Foto: Autobahn Südbayern


















