„Es hat mir alles so viel Spaß gemacht“
Ihre starke Verbundenheit gegenüber Kunst, Kultur und kulturellen Veranstaltungen sowie ihre stets fröhliche und offene Art bleiben unvergessen. Ingrid Brünich hat nach 24 Jahren im Karlsfelder Gemeinderat und zehn Jahren als Kulturreferentin nun die Politbühne verlassen.
Als junge Frau war Brünich erst im Metzgerladen der Schwiegereltern und dann zusammen mit ihrem Mann in der eigenen Metzgerei tätig und arbeitete später beim Staatlichen Bauamt. 13 Jahre fungierte sie als Schöffin am Landgericht München, 15 Jahre lang war Ingrid Brünich Vorsitzende der Frauen-Union, aktuell hat sie noch das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden im Musikverein inne. Die jung gebliebene kulturaffine 78-Jährige hat bewusst nicht mehr kandidiert, da sie nicht mehr so viel Verantwortung übernehmen und mehr Zeit für sich haben wollte. Ihre drei Töchter, drei Enkel und zwei Urenkel werden ihr diese große Entscheidung danken.
In einem persönlichen Interview hat uns Ingrid Brünich Spannendes aus ihrer Amtszeit und auch Privates von sich erzählt. Das Interview wurde vor dem Redaktionsschluss am 24. März 2026 geführt.
24 Jahre lang waren Sie jetzt Gemeinderätin und seit 2016 Kulturreferentin der Gemeinde Karlsfeld - mit welchem Gefühl treten Sie jetzt ab?
Die Zusammenarbeit mit dem Zweiten Bürgermeister Stefan Handl sowie mit den Presse- und Kulturdamen im Rathaus, mit denen ich zusammen einige neue Projekte ins Leben gerufen haben, wird mir sehr fehlen. Es hat mir alles so viel Spaß gemacht.
Ist dies daher ein Abschied mit Wehmut?
Ein bisschen Wehmut bleibt sicher. Obwohl ich mich jetzt auf meine neu gewonnene Freizeit freue, wird mir alles auch sehr fehlen.
Gibt es etwas, das Ihnen besonders fehlen wird?
Die Kontakte mit den Künstlern und Vereinen, das Mitwirken an den verschiedenen Kulturprojekten und die Entwicklung Karlsfelds persönlich mitzugestalten, diese Dinge werden mir fehlen. Ich hoffe, dass auch nach mir die Kulturlandschaft weiter ausgebaut wird und viele neue Ideen entstehen. Natürlich werde ich auch die Mitglieder meiner Fraktion, die ich aber auch nach meiner Amtszeit hoffentlich noch treffen werde, vermissen.
Blicken wir auf die Karlsfelder Kulturlandschaft. Wie hat sie sich seit Ihrem Amtsantritt 2016 verändert? Was haben Sie bewegt?
Das, was wir in den letzten Jahren bewegt haben, war Teamarbeit. Gemeinsam mit dem Zweiten Bürgermeister Stefan Handl und den Presse- und Kulturdamen im Rathaus haben wir einige neue Projekte ins Leben gerufen wie das kulturelle Rahmenprogramm bei den Kunstausstellungen SEH AM SEE und in der Korneliuskirche oder beim Karlsfelder Hüttenzauber, das KOSMOS Kulturfestival, den Runden Tisch Kunst und Kultur, bei dem sich Kulturschaffende und Vereine zum Austausch und Planen verschiedener Veranstaltungen regelmäßig treffen, den Karlsfelder Kunstspaziergang während der Corona-Zeit, bei dem man Kunstwerke in den Schaufenstern der Gewerbetreibenden betrachten konnte. Zudem haben wir gemeinsam mit dem Bürgerkomitee Jubiläumsveranstaltungen organisiert und vieles mehr. Ich denke, wir haben hier Einiges erreicht, was hoffentlich auch die nächsten Jahre Bestand haben wird. Für die Kultur in Karlsfeld wünsche ich mir eine größere Beteiligung der Bürger und mehr Interesse an unseren Veranstaltungen, damit auch die Mitwirkenden motivierter sind aufzutreten.
Sie waren auch Teil der Aktivitäten mit unserer italienischen Städtepartnerschaft Muro Lucano. Welche Erinnerungen haben Sie an die Besuche in dieser wunderschönen Stadt?
Ich durfte dreimal mit dabei sein. Bei einem Bayerischen Abend in Muro Lucano, bei dem wir alle in Tracht gekleidet waren und bayerische Musik aus Karlsfeld mitgebracht haben, war ich als ehemalige Metzgerei-Inhaberin in meinem Element. Gemeinsam mit anderen Gemeinderätinnen habe ich die aus Karlsfeld mitgebrachten Metzgerei-Produkte mit angereichert. Bei den mehreren hundert Besuchern kam unser Angebot so gut an, dass an einem Tag bereits um 23 Uhr alles ausverkauft war. Auch die Besuche der Muresen auf dem Karlsfelder Siedlerfest, beim KOSMOS Kulturfestival sowie zum Fußball-Turnier werde ich nicht vergessen.
Die Gemeinde Karlsfeld hat viele verschiedene und großartige Vereine sowie Orchester. Sind Sie stolz darauf?
Die Orchester, die wir in Karlsfeld haben, spielen alle auf höchstem Niveau. Jedes ist auf seine Weise einmalig, sei es das Karlsfelder Sinfonieorchester, das Vivaldi Orchester oder die Blaskapelle. Karlsfelds Musikszene ist mit seinen Vereinen, Chören, Bands, Musikschulen und einzelnen Kulturschaffenden vielfältig und sehr wertvoll für unsere Gemeinde.
An welche Momente erinnern Sie sich besonders?
Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war der Überraschungsauftritt der Stelzenläufer, ganz in weiß gekleidet, beim Dîner en blanc bei der SEHAM SEE 2022. In dem Moment haben Groß und Klein nur gestaunt und Fotos gemacht.
Sind Ihre Erwartungen erfüllt worden?
Im Großen und Ganzen sind meine Erwartungen erfüllt worden und es hat mir riesig Spaß gemacht.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft und was machen Sie jetzt mit Ihrer neu gewonnen Freizeit?
Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe. Nach wie vor möchte ich mich am kulturellen Leben beteiligen, u.a. das Musiktheater-ABO weiterhin besuchen und in der Singgemeinschaft, der ich seit 45 Jahren angehöre, mitsingen. Ich möchte mit Freundinnen Einiges unternehmen, zum Kegeln gehen, lesen, Sport machen und vieles mehr.
Was raten Sie Ihrer Nachfolgerin oder Ihrem Nachfolger?
Dass sie dem Ganzen den eigenen Stempel aufsetzen, eigene Ideen umsetzen können und das kulturelle Leben in Karlsfeld weiterhin fördern.
Was möchten Sie zum Ende Ihrer Amtszeit noch mitteilen?
Ich bedanke mich bei Stefan Handl und den beiden Rathaus-Mitarbeiterinnen der Presse und Kultur für die gute Zusammenarbeit und die tollen Projekte, die gemeinsam in den letzten Jahren entstanden sind. Und natürlich möchte ich mich genauso bei den vielen Mitwirkenden wie den Künstlern, den Technikern und dem Bauhof und allen bedanken, ohne die die Veranstaltungen nicht funktioniert hätten. Bürgermeister Stefan Kolbe und allen anderen Gemeinderäten, mit denen ich jetzt gemeinsam ausscheide, wünsche ich alles Gute für die Zukunft und dem neuen Bürgermeister Christian Bieberle einen erfolgreichen Start!
Foto: Privat


















