Zehn Jahre Helferkreis Karlsfeld

(EP) „Wir haben für die meisten Flüchtlinge erreicht, was wir immer wollten: Sie können sich jetzt selber helfen. Und viele haben Arbeit gefunden.“ Für Max Eckardt ist das - im August 2025 - ein Ergebnis von zehn Jahren Engagement im Helferkreis Karlsfeld. Er ist sein aktueller Sprecher und organisiert die monatlichen Treffen der siebenköpfigen Arbeitsgruppe „Koordination“. Aktiv sind außerdem noch neun Helfende in der Hausaufgabenbetreuung. Weitere werden gesucht und sind willkommen. Auch, wenn jetzt weniger Geflüchtete kommen, braucht es den Helferkreis weiter.

 

Vor zehn Jahren sahen die Zahlen so aus: Rund 100 boten damals ihre Hilfe an. Zu einer Infoveranstaltung zum Thema "Asylbewerber" am 18. August 2015 im Bürgerhaus waren über 350 Menschen gekommen. Und viele von ihnen entschieden spontan, sich für die Flüchtlinge zu engagieren. Im Laufe der nächsten Monate kamen weitere Interessierte dazu. Ein „Stamm-Helferkreis“ von rund 80 Aktiven arbeitete über Jahre in Karlsfeld.

 

Denn es gab einiges zu tun. Helmut Blahusch erinnert sich: „Das Ankommen der Ersten, barfuß und in Badeschlappen im Winter. Die Traglufthalle und die schlimmen, engen Zustände dort, mit wiederholten Polizeieinsätzen. Das Kleiderlager als wichtige Einrichtung in den ersten Jahren.“

 

Die Kosmetikfirma Artdeco hatte kostenlos rund 100 Quadratmeter in der Dieselstraße zur Verfügung gestellt. Mitglieder der Arbeitsgruppe (AG) Sachspenden bauten acht Meter Kleiderstände und 28 Meter Regalwände auf. Es wurden Kleidung, Schuhe, Geschirr und Schulsachen in großen Mengen gespendet - und weiter verteilt.

 

Eine große Spendenbereitschaft gab es auch bei den Fahrrädern – und einen Ansturm darauf. Über 300 Fahrräder wechselten die Besitzer. Die AG Dolmetscher hatte gerade am Anfang umfangreiche Aufgaben: Helfen bei Arztbesuchen, bei Behördengängen, bei Übersetzungen. Die AG Deutschkurse vermittelte erste Sprachkenntnisse, die wichtigste Voraussetzung für Integration. Auf der Suche nach Beschäftigung und Ausbildungsplätzen war die AG Arbeit behilflich. Speziell auf die Unterstützung von Kindern konzentrierte sich die AG Familie. Und weil der Bedarf an persönlicher Betreuung für die oft einsamen, wartenden und ohne Hoffnung lebenden Flüchtlinge sehr hoch war, wurden die Arbeitsgruppen Freizeit und Lotsen gegründet. Die Organisation, gewissermaßen die Verwaltung aller Gruppen des Helferkreises, einschließlich der Öffentlichkeitsarbeit, übernahm die AG Koordination.

 

Meilensteine waren die Schließung der von allen als schrecklich empfundenen Traglufthalle im Herbst 2016. Die Fertigstellung der Unterkünfte in der Parzivalstraße zur gleichen Zeit. Und der Bezug in die Hochstraße im April 2017. Damit kam auch professionelle Hilfe: Durch die Caritas und die sogenannten „Kümmerer“, die vom Landkreis Dachau hauptamtlich in den Häusern einsetzt wurden. Sie alle haben unglaublich viel durch ihr persönliches Engagement und ihre Fachkenntnis zur Integration der Geflüchteten beigetragen. 

 

Als besondere Erfolge können die Ehrenamtlichen zurückblicken auf ihre Kurse für den Computer, zum Kochen, fürs Fahrradfahrenlernen und Radlreparieren oder Schulungen zum Thema Miete. Aber auch viele Menschen aus anderen Organisationen haben sich eingesetzt für die Asylbewerber: Der TSV mit seinen Fußballtrainings und Schwimmkursen. Die Fachoberschule (FOS) mit ihrer Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“, bei der sie seit 2017 bisher achtmal jeweils 100 Päckchen für Flüchtlingskinder spendete. Die Aktion „Weltfriedenspfad“, in der die Universität München Studierende und Geflüchtete zum gemeinsamen Schreiben von Gedichten zusammenbrachte. Und sie auf Tafeln am See ausstellte. Die Unternehmer in und um Karlsfeld, die Ausbildung und Arbeit brachten. Die Gemeinde Karlsfeld mit ihrer politischen und verwaltungstechnischen Unterstützung, etwa bei den Finanzen.

 

Das Abenteuer Helferkreis war und ist auch ein Gemeinschaftswerk. Es hat nicht nur Flüchtlinge weitergebracht, sondern auch das Miteinander in Karlsfeld. „Ich habe so viel neue Bekannte gewonnen“, ist das Fazit bei Etlichen. Damit hat Karlsfeld wieder gezeigt, dass es einen besonderen Hang hat zur Integration: Bewiesen schon nach dem Krieg, als Vertriebene eine neue Heimat suchten. Und in den 60-er Jahren, als die „Gastarbeiter“ einbezogen wurden. Jetzt fehlt es „nur“ noch an Wohnungen, für die, die auch hierbleiben möchten. Der Helferkreis hofft auf sozial engagierte Vermieter, an die er zuverlässige Mieter aus den Reihen der Geflüchteten vermitteln kann.

 

 

Foto: Helferkreis Karlsfeld