Kino international

Kino international

Fast wie im richtigen Kino: Kinoabend in der Parzivalstraße.

„Ihr macht das doch schon immer: Die Kleinen nach vorne und die Großen nach hinten. Da braucht man nicht immer wieder drüber zu diskutieren.“ Es ist Kinoabend in der Flüchtlingsunterkunft in der Parzivalstraße und Barbara Pscherer vom Helferkreis muss doch wieder diskutieren. Rund 20 Kinder im Alter von zwei bis 13 Jahren unter einen Hut beziehungsweise in eine vernünftige Sitzordnung zu bringen ist schon eine fordernde Aufgabe. „Aber es macht Spaß mit den Kindern“, meint sie.

 

Und diese haben ihren besonderen Spaß. Als das Rollo heruntergelassen wird und das Licht ausgeht, verstummt das fröhliche – deutsche - Geplapper der Kinder aus Syrien, Afghanistan, Nigeria, Sierra Leone, Russland, Mali, Irak, Somalia und dem Kongo. Es gibt über den Beamer einen Tier-Zeichentrickfilm, der mal mitreißt, und dann ist es ruhig im Raum. Oder der langweilt, vor allem die Jüngeren, und dann schwillt das Geplapper wieder an. Die Rufe von den Großen auf den hinteren Plätzen verstärken den Lärm noch: „Seid doch bitte mal ruhig da vorne.“ Der Regisseur könnte sich hier ein unmittelbares Feedback holen für die auf- und abfallenden Spannungsbögen seines Films. Ein weiteres untrügliches Zeichen für toll oder weniger toll ist die Anzahl der Türöffnungen. Mal schnell nach draußen in die warme Abendluft, das geht natürlich im echten Kino nicht. Aber auch hier im Schulungsraum ist die Freiheit nicht grenzenlos: „Bitte nicht immer raus-und reingehen“, sagt eine weitere Helferin, Sandra Schwingeler. „Mach die Tür zu, wenn du reinkommst“, ruft der zwölfjährige Mohammed aus Syrien Zahra aus Afghanistan zu.

Für die Beobachterin ist es erstaunlich, wie die Kinder switchen zwischen ihrer Muttersprache, wenn sie nur unter sich sind, und dem Deutschen, wenn verschiedene Nationalitäten beisammen sind. „Das ist das Schöne an der Parzivalstraße“, freut sich Evi Wimmer.

 

Sie war es auch, die die Idee von einem Filmabend aufgegriffen hat. Über die „Landesmediendienste Bayern“ war dem Helferkreis – wie anderen sozialen Einrichtungen – eine „Filmkiste“ zum Nulltarif angeboten worden, während der Ferienzeit. Und sie hatte auch die Idee, fast „wia“ im richtigen Kino-Leben, Popcorn zu reichen. In der Pause knattert es im Kochtopf auf der kleinen Elektroplatte und weckt ebensolche Begehrlichkeiten wie die vorderen Plätze. Selbst das Aufräumen am Schluss samt Beseitigung aller Popcorn-Spuren ist eine gemeinsame, internationale und erfolgreiche Aktion.

 

Foto: Silvia Reiter, Helferkreis Karlsfeld

 

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