Kinderleben und Kinderlernen: Zu Besuch bei den Flüchtlingskindern in der Parzivalstraße

Kinderleben und Kinderlernen: Zu Besuch bei den Flüchtlingskindern in der Parzivalstraße

„Hallo, guten Morgen“ begrüßt Jibi aus Mali die Besucherin. Mit einem Blick auf die Uhr im Schulungsraum an der Parzivalstraße korrigiert er sich: „Es ist ja schon Nachmittag. Dann sagen wir in Deutschland: Guten Tag.“ Sein Freund aus dem Senegal grüßt ebenfalls: „Ich bin der Mohammad. Und wer bist Du?“ Heute haben fünf Buben die Hausaufgabenhilfe angenommen, meistens sind es zehn bis zwölf Kinder Jeden Tag, von Montag bis Freitag, gibt es dieses Angebot vom Helferkreis. „Das ist manchmal ganz schön anstrengend, sie sind ziemlich lebhaft“ sagt Irmgard Szelag, die an diesem Montag die Kinder ermutigt, zum Arbeiten anhält und nur bei echten Notfällen hilft. „Aber es macht auch Spaß und man kann oft lachen.“

Heute gibt es eine Worterkennungsübung als Hausaufgabe. Das Wort „REGEN“ kommt vor. „Weißt Du, was das ist?“ Kurzes Nachdenken: „Ja, aber heute scheint die Sonne.“ Und dann soll eine NUSS erkannt werden. Jibi kennt keine Nuss. Aber Erdnüsse? Ein Strahlen geht über sein Gesicht.

 

Vom Team der Hausaufgabenhilfe würde man sich freuen, wenn weitere Helferinnen und Helfer einsteigen: „Dann können wir intensiver mit den einzelnen Kindern lernen. Auch helfende Schüler und Schülerinnen sind gerne willkommen.“

 

Drei Kinder sind dieses Jahr eingeschult worden: Voller Stolz bei Samira aus Tschetschenien, Mursal aus Afghanistan und Mohammady aus dem Senegal, ihren Eltern und ihren deutschen Helferinnen und Helfern Irmgard Szelag, Jürgen Eckstein, Erika Mrosewski.

 

Die Kinder in der Parzivalstraße zu erleben, ist anrührend. „Ich finde es immer wieder toll, wie sie miteinander spielen. Auch wenn es dabei manchmal heftig zugeht, „ sagt die Lotsin Evi Wimmer. „Und es gibt einige unserer Jungs und Mädels, die sich ganz nett um die kleineren Kinder kümmern - um alle, völlig unabhängig davon, woher sie kommen, welcher Religion sie angehören oder ob man sich mit Sprache verständigen kann. Sie spielen mit den Kindern, albern 'rum, trösten sie, wenn es mal Tränen gibt - und die Kindern hängen sehr an ihnen.“

 

Bei unserem Besuch saust ein kleiner dunkler Bub auf seinem Rad strahlend an uns vorbei: „Ich gehe schon in die Schule!“. Keine drei Minuten später schiebt er sein Rad und schreit wie am Spieß, rennt den kleinen Hügel hoch und schmeißt sich auf den Boden und lässt sich nur beruhigen, als ihn die Helferin in den Arm nimmt und er sich in drei Tempotüchern ausweinen kann. Was ist passiert? Einige ältere Kinder klären auf: „Er ist zu schnell in die Kurve.“ Und, ganz weise: „Aber der wird schon wieder.“

 

Das Gelände um die Unterkünfte in der Parzivalstraße ist ein wunderbarer Flecken für die Kinder. Sie können rennen, andere besuchen, Radlfahren und bei Sitzungen des Helferkreises durch das Fenster schauen. Dort gibt es gerade bei eine Powerpoint-Präsentation: „Oh, Fernsehen“, so ihr Kommentar.

 

Die Heiterkeit dieser Kinder scheint sich auf die Erwachsenen zu übertragen, das spüren sie vom Helferkreis. „Ich liebe diese Atmosphäre! Ich bin ein großer Fan "unserer Parzivalstrasse". Bei allem was dort auch immer mal wieder passiert, finde ich es wunderschön, wenn ich abends hinkomme und die Leute sitzen draußen, trinken Tee, spielen Backgammon, irgend spielt Musik.“

Und die Kinder sind irgendwann müde vom Herumsausen und können friedlich schlafen.

 

Elfriede Peil

 

Foto: Jürgen Eckstein

 

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