Die Entwicklung Karlsfelds nach dem 2. Weltkrieg

Bestandsplan der Gemeinde Karlsfeld 1952

Bestandsplan der Gemeinde Karlsfeld 1952

In den Jahren 1939 bis 1945 hat sich Karlsfeld kaum verändert, einzig die Münchner Straße war mit einer Teerdecke versehen worden.

Das änderte sich schlagartig, als die Gemeinde mit den Kriegslasten fertig werden und den vielen Heimatvertriebenen, die in Scharen kamen, ein neues Zuhause geben musste.

 

Dieser "Vielvölkermischung" verdankt die Gemeinde unter anderem ihr multikulturelles Gesicht. Von der Besatzungsmacht wurde am 1. Mai 1945 Georg Eichinger als Bürgermeister kommissarisch eingesetzt. Mit ihm ist die Karlsfelder Nachkriegsgeschichte eng verknüpft.

 

Bei den ersten freien Wahlen 1948 wurde er zum Bürgermeister gewählt und übte dieses Amt 14 Jahre lang aus, bis er 1960 auf eine neue Kandidatur verzichtete.

  

Neben dem Altbestand an der Münchner Straße zeigt der Katasterplan die ersten "Schwarzbauten": Splitterbebauung, ohne städtebaulichen Zusammenhang, aus der Wohnungsnot geboren.

 

Auf den ersten Karlsfelder Nachkriegsbürgermeister und seine Gemeinderäte warteten große Aufgaben. Von 1945 bis 1950 mussten Flüchtlinge und Bombengeschädigte in den bereits überbelegten Ortsteilen untergebracht werden. Mittellos, ohne Geld oder Kleidung kamen die Heimatvertriebenen aus Schlesien, Ostpreußen, dem Sudetenland und den deutschen Gebieten Ungarns, Jugoslawiens sowie Rumäniens nach Karlsfeld und nicht immer gingen die Einquartierungen reibungslos vonstatten. In diesen fünf Jahren stieg die Bevölkerung von 1450 auf 2024 an ohne dass größere Wohnbautätigkeit herrschte.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Ludl-Kapelle 1900Die Ludl-Kapelle 1900. Diese Privatstiftung der Eheleute Ignaz und Anna Ludl bildete den Anfang der kirchlichen Entwicklung Karlsfelds.

 

Ab 1950, als die ersten Sorgen der Zugezogenen wie Arbeitsuche oder auch Familienzusammenführung überstanden waren, dachten die ersten an den Erwerb von Baugrundstücken und in dieser Zeit wechselten die ersten Bauplätze für etwa 0,50 bis 1,00 Mark den Besitzer. Die Flüchtlinge errichten ihre Häuser vorwiegend in Eigenleistung und schufen sich in Karlsfeld eine neue Heimat - und in Karlsfeld entstanden Schwarzbausiedlungen, die erst um 1960 legalisiert wurden. Die neuen Siedler waren schnell mit ihrer Bauarbeit - und gewitzt , wenn es darum ging, den Behörden aus dem Weg zu gehen. Ein Beispiel:

 

Am Gründonnerstag wurde mit dem Hausbau begonnen, weil da die Behörden geschlossen waren. Am Dienstag nach Ostern war mit Nachbarschaftshilfe das Haus im Rohbau fertig, Keller oder Parterre wurden bereits bewohnt, ein Nutzungsverbot des Gebäudes war nicht möglich, weil Wohnungen fehlten, in denen man die Menschen hätte unterbringen können. In dieser "Schnellbauweise" wurden in Karlsfeld rund 150 Schwarzbauten erstellt.

 

Während viele andere Gemeinden organisch wachsen konnten, musste das neue Karlsfeld schnell und völlig neu geschaffen werden und die ersten Siedler hatten Courage, sich in einem Ort anzusiedeln, in dem es weder Kanalisation oder ausgebaute Straßen und keinerlei kommunale Einrichtungen gab.

 

Einige wenige Gebäude in der Gemeinde erinnern noch an diese schwierigen Aufbauzeiten, während sich unmittelbar um sie herum das moderne Karlsfeld entwickelt hat.

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